Kinky Boots im Operettenhaus Hamburg

Am 02.12.2017 durften wir an der Medienpremiere von „Kinky Boots“ teilhaben. Das erste Mal kam ich mit diesem Musical 2013 in Berührung, bei der Musical Allstars Gala in Essen. Arnim Bartetzky, der Veranstalter und musikalische Leiter, erzählte voller Energie von diesem neuen Musical. An diesem Abend wurde das Lied „Raise You up“ performt. Von diesem Ohrwurm geprägt schaute ich mir damals den Film über die Geschichte von Charlie aus Northampton an, welche auf einer wahren Begebenheit beruht. Vier Jahre später feierte das Musical gestern Abend in Hamburg seine Deutschlandpremiere. Mit großer Vorfreude trat ich also am Samstag die Reise nach Hamburg zur Medienpremiere an.

(c) Johan Persson
(c) Johan Persson

Charlie Price erbt die heruntergekommene Schuhfabrik seines Vaters. Dieser Schicksalsschlag soll sein Leben komplett verändern. Denn obwohl er vorher nicht viel mit dem Unternehmen zu tun haben möchte, will er um die Firma kämpfen und den Angestellten einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Bei seiner Suche einen Weg zu finden, um die Firma zu retten, trifft er durch Zufall die Drag-Queen Lola. Zusammen finden sie die Nische die „Price & Son“ retten soll: Schrille, modische und zugleich stabile Schuhe und Stiefel für Drag-Queens – Kinky Boots. Die Mitarbeiter sind zunächst nicht wirklich überzeugt von dem Plan, aber Charlie und Lola glauben an die Idee und an das Unternehmen „Price & Son“.

Die Songtexte stammen von Cyndi Lauper und Harvey Fierstein schrieb das Buch dazu. Für Regie und Choreografie ist Jerry Mitchell verantwortlich.

(c) Gavin Bond
(c) Gavin Bond

Das Saallicht erlosch und auf der Bühne startete das bunte Treiben. Das Bühnenbild zeigt das Innere der Schuhfabrik „Price & Son“ und die Kostüme sind perfekt für das Musical.

 „Kinky Boots“ ist ein Musical mit vielen Aktionen und schönen Choreografien, wie z.B.  bei dem Lied „Everbody Say Yeah“. Die Kostüme insbesondere die der Drag Queens sind ein wahrer Hingucker. Beeindruckend ist auch, mit was für einer Leichtigkeit sich alle Darsteller in den Kinky Boots bewegen. Die Lieder haben genau wie im englischen Original ein wahres Ohrwurm Potential. Nur der Song „Nimm einfach das, was du hast“ konnte mich in der deutschen Übersetzung leider gar nicht überzeugen. In dem Song sucht Charlie bei seinem Bekannten Harry Rat, wie es nach dem Tod seines Vaters weitergehen soll. Durch den deutschen Text ging leider viel von der gelassenen Stimmung verloren. Da die deutsche Sprache im Bezug auf Songtexte gewiss nicht immer die leichteste ist, soll dies kein zu großes Manko sein. Meine musikalischen Highlights waren das sehr gefühlvolle Stück „Nie dieser Sohn“ – ein Duett von Lola und Charlie und „Trag mich in dein Herz“ eine sehr berührende Ballade von Lola. Natürlich geht es in dem Musical auch etwas rockiger zu mit Songs wie „So ´n sexy hohes Teil“ oder „Komm steh auf/ Sei du“.

(c) Johan Persson
(c) Johan Persson

Der Cast harmoniert schon jetzt perfekt auf der Bühne und alle haben fantastische Stimmen.

Eine bessere Besetzung für Lola als Gino Emnes würde nur sehr schwer zu finden sein. Seien es die schrillen Momente der Drag Queen oder all die Selbstzweifel, die an ihm nagen, er spielt beide Seiten sehr emotional und ergreifend.

Dominik Hees lässt Charlie eine Verwandlung von orientierungslos bis willensstark durchleben, in die sich jeder im Publikum hineinversetzen kann.

Jeannine Wacker zaubert mit ihrer leicht komödiantischen Art jedem ein Lächeln ins Gesicht und beeindruckt mit ihrem Song „Die Liste falscher Kerle“ auf allen Ebenen.

Don, der zunächst durch sein intolerantes Verhalten auffällt, wird von Benjamin Eberling verkörpert, der die Wandlung der Rolle super spielt.

Auch alle anderen, die ich hier namentlich nicht extra erwähnt habe, haben eine grandiose Leistung hingelegt und einen Großteil dazu beigetragen, dass über 1.000 Menschen für einen kurzen Moment in eine andere Welt entführt werden konnten. Großen Respekt und Dank an euch.

Dennoch bin ich etwas zwiegespalten, denn leider ist die Story besonders zu Beginn etwas langatmig. Es dauert eine Weile bis die Show in Gang kommt, aber dann packt es einen völlig. Daher finde ich es im Allgemeinen ein gutes Musical mit einer wichtigen Botschaft. Wenn ihr mal in Hamburg seid, nutzt die Chance und schaut es auch an.

Denn ein solches Musical wie „Kinky Boots“ gab es in Deutschland noch nie zuvor. Es zeigt wie wichtig es im Leben ist, zu kämpfen und dass jeder damit etwas erreichen kann. Zudem wird dort nochmal verdeutlicht, wie wichtig Toleranz in der Gesellschaft ist und dass niemand sich verstellen soll.

Sei immer DU selbst und Stay Wicked

Eure Pia

 

(c) Johan Persson
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